Wenn im Versand kurzfristig mehrere Hände fehlen, muss ein Logistikunternehmen schnell reagieren. Eine Lagerhelferin kommt deshalb über einen Personaldienstleister in den Betrieb, kommissioniert Waren nach den Vorgaben der Schichtleitung und bleibt zugleich bei ihrem festen Arbeitgeber angestellt. Für das Unternehmen bedeutet das zusätzliche Kapazität, für die Beschäftigte einen Einsatz in einem neuen Arbeitsumfeld, ohne den Arbeitgeber zu wechseln. Das Zeitarbeitsmodell muss jedoch mit einem veränderten Markt umgehen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2025 rund 622.000 Leiharbeitnehmende sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Seit Ende 2022 liegen die Beschäftigtenzahlen kontinuierlich unter dem jeweiligen Vorjahresniveau.
Zeitarbeit reagiert traditionell früh auf konjunkturelle Veränderungen: Wenn Unternehmen Aufträge verlieren, reduzieren sie zuerst den Einsatz von Leiharbeitskräften. Doch hinter dem aktuellen Rückgang steckt mehr als ein konjunkturelles Tief. Industriearbeitsplätze fallen weg, ganze Branchen verändern sich. Für die Zeitarbeit geht es deshalb darum, neben der klassischen Überlassung weitere Aufgaben zu übernehmen.
Christoph Kahlenberg, Leiter der Randstad Akademie, bringt es auf den Punkt: „Alle, ob vermeintlich großer, mittlerer oder kleiner Dienstleister, stehen vor der gleichen Herausforderung: Die klassische Zeitarbeit ist unter Druck. Natürlich muss jeder Dienstleister für sich die Frage beantworten: Gibt es andere, alternative Geschäftsfelder?“
Sicherheit trotz Flexibilität – ein deutsches Modell
Für die Branche ist der feste, sozialversicherungspflichtige Arbeitsvertrag ein zentraler Bestandteil ihres Modells. „Was wir nach wie vor bieten, sind feste sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse in unserer Branche. Wir haben in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – in der Zeitarbeit ein ganz klassisches Arbeitgebermodell, das dem Sicherheitsbedürfnis der Beschäftigten entgegen kommt,“ erklärt Kahlenberg.
Wenn ein Einsatz endet, muss damit also nicht automatisch das Arbeitsverhältnis enden. Der Personaldienstleister bleibt Arbeitgeber und kann einen weiteren Einsatz organisieren. Beschäftigte wechseln möglicherweise den Einsatzort oder das Arbeitsumfeld, bleiben dabei aber beim selben Arbeitgeber. Genau diese Verbindung aus wechselnden Einsätzen und einem festen Arbeitsvertrag gehört zu den Besonderheiten der...
