Michael Truch hält am 21. Oktober 2026 um 15:15 Uhr auf der Content Stage 1 die Keynote „Kann ein Recruiter über 1 Mio Jahresumsatz in Perm machen?“ Vorab haben wir vier Fragen gestellt.
Was ist Ihre Rolle im Bereich Staffing und was zeichnet Ihre Arbeit besonders aus?
Ich bin Gründer und CEO der Hforce AG und der HEADFOUND GmbH. Was uns auszeichnet, ist unsere Perspektive: Ich komme nicht aus dem klassischen Recruiting, sondern aus der Industrie, unter anderem als CIO. Deshalb betrachte ich Staffing als System- und Datenproblem, nicht als reine Bauchentscheidung. Das gibt mir die Möglichkeit das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Bei uns arbeiten Menschen, KI-Agenten und Daten zusammen. Genau dieses Zusammenspiel macht Ergebnisse planbar, die zuvor als Ausnahme galten, und sie bieten neue Chancen.
Welche aktuellen Trends im Recruiting verändern die Praxis derzeit am stärksten?
Der größte Umbruch sind KI-Agenten, die eigenständig Aufgaben übernehmen, wie beispielsweise Sourcing, Ansprache und Vorqualifizierung. Dadurch verschiebt sich der Fokus der Recruiter von der Suche hin zu den Momenten, die wirklich zählen: Beziehung, Verhandlung und Abschluss. Also, statt die Zeit für einen manuellen Suchvorgang zu nutzen, verschieben wir den Fokus auf eine qualitativere Auseinandersetzung mit dem Ergebnis, was am Ende ein besseres Recruiting ergibt. Es ist auf ein einmal mehr Zeit dafür da, dank KI. Ein weiterer Trend ist die Abkehr vom 360°-Allrounder hin zu spezialisierten Rollen entlang eines sauberen Prozesses. Und ein Punkt, den viele noch unterschätzen: Wer KI wirklich beherrscht, gibt nicht nur Aufgaben ab, sondern wird selbst zum Gestalter und Innovator: Teams entwickeln eigene Workflows und werden so zur Innovationsquelle.
Gibt es eine Erkenntnis oder Methode, die für Sie im Alltag besonders wertvoll ist und die Sie gerne weitergeben möchten?
Erst das System, dann die KI. Wer Automatisierung auf ein chaotisches 360°-Modell setzt, automatisiert nur das Chaos. Deshalb messen wir zuerst die eigenen Zahlen (Deals, Fee, Conversion, Zeitverteilung), bevor wir irgendwo einen Agenten ansetzen. Auch die täglichen Workflows unterliegen einer Prüfung und Optimierung, einfach, weil sie sich durch KI verändern. Das klingt unspektakulär, ist aber der Unterschied zwischen „mehr Tools“ und echtem Fortschritt. Meine Grundregel lautet: Jede Entscheidung hat eine Zahl, oder sie ist ein Bauchgefühl.
Worauf dürfen sich Besucher Ihrer Keynote bei der STAFFINGpro besonders freuen?
Auf einen ehrlichen Blick in den Maschinenraum von uns, mit echten Zahlen und Strukturen statt Motivationsfloskeln. Ich zeige an unserem eigenen Beispiel, wie ein Recruiter systematisch einen Perm-Umsatz von einer Million Euro erreicht, welche Stellschrauben wirklich zählen und wo wir selbst auf die Nase gefallen sind. Und ich habe ein wichtiges Bild im Gepäck: Früher hast du einen teuren Think Tank gebucht. Heute qualifizierst du deine Leute, und sie werden selbst zum Think Tank. Wer rechnen und ehrlich hinschauen möchte, geht mit konkreten Ansätzen für den Montag nach Hause.
