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Jobsuche hat eine neue Sprache

Talentmanagement & Recruiting 29.06.2026

Talente suchen heute anders – und viele Recruiter·innen verstehen es
noch nicht

Gastbeitrag von Nils Neubauer, Director Product & User Experience, XING

Jahrzehntelang hatte Jobsuche eine klare Dramaturgie. Unzufriedenheit staute sich
auf, irgendwann wurde sie unerträglich – und dann handelte man. Lebenslauf
aktualisieren, Plattform öffnen, Suchbegriff eintippen. Linear. Markierter Anfang,
absehbares Ende.

In diesem Modell steckte eine stille Annahme: dass Menschen wissen, was sie
wollen. Und dass sie es in Worte fassen können, die ein System versteht. Das stimmt
nicht – zumindest nicht für alle.

Was unsere XING Daten in letzter Zeit zeigen, klingt zunächst wie eine technische
Randnotiz. Ist es aber nicht. Es ist ein Kulturwandel: Immer mehr Menschen
formulieren keine Jobtitel mehr, sondern Zustände.

Ich will mehr verdienen.
Ich brauche etwas Sichereres.
Ich weiß nicht genau – aber so wie jetzt soll es nicht bleiben.

Die Zeit der Filter ist vorbei

XING war das erste Job-Board mit einer dialogbasierten, KI-gestützten Jobsuche.
Deswegen können wir bereits auf eine Entwicklung blicken: Mehr als die Hälfte aller
Suchanfragen auf XING ist inzwischen nicht mehr keyword-basiert, sondern
semantisch. Ganze Sätze, Andeutungen, Versuche, eine Situation zu beschreiben,
die sich in keinen Filter pressen lässt.

Statt Suchfilter gibt es bei XING heute vorgefertigte Einstiege – Vorschläge, die nicht
nach Präzision verlangen, sondern nach Intuition:

  • Such mit meinem Profil.
  • Ich will mehr verdienen.
  • Hilfe beim Quereinstieg.

Keine klassischen Suchbefehle. Eher kleine Abkürzungen in einem Prozess, der für
viele zu komplex geworden ist. Wer darauf klickt, formuliert keine Anfrage mehr im
eigentlichen Sinne. Er delegiert sie.

Auffällig ist dabei nicht nur, was gesucht wird – sondern wie. Viele dieser Einstiege
sind keine individuell formulierten Sätze mehr, sondern vorgeprägte Gedanken. Sie
funktionieren, weil man sich in ihnen wiedererkennt. Die Suche beginnt nicht mehr
mit einer Entscheidung, sondern mit einem Gefühl.

Man könnte das als Orientierungslosigkeit lesen. Es wäre das falsche Urteil.

Vom Wunsch zum Job-Angebot

Lange musste der Mensch sich der Logik des Systems anpassen: einen Filter
auswählen, der halbwegs passt, die eigene Biografie in Schlagwörter pressen, sich
selbst als Produkt beschreiben. Die Arbeit lag beim Suchenden. Jetzt kippt das.

Funktionen, die ein bestehendes Profil als Grundlage nehmen – Erfahrungen,
Stationen, Interessen –, drehen die Perspektive um. Das System interpretiert, was es
weiß. Der Mensch muss nicht mehr benennen, was er selbst vielleicht nicht
benennen kann.

Die vorgefertigten Prompts bei XING wie „Such mit meinem Profil“ sind dabei ein
Übergang. Eine Brücke zwischen einem diffusen Wunsch und einer ersten
Bewegung. Sie nehmen...

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