Von Nils Neubauer, Director Product & UX bei XING und Speaker bei der
Onlinefachkonferenz der STAFFINGpro am 7., 8. und 9. Juli
Irgendwas hat sich verändert. Nicht dramatisch, nicht von heute auf morgen – aber wer regelmäßig im Active Sourcing arbeitet, sollte es längst bemerkt haben.
Der richtige Kandidat, sauber formuliert, überzeugendes Angebot. Früher hätte die Nachricht funktioniert. Heute bleibt sie unbeantwortet. Nicht immer. Aber immer öfter.
Die forsa-Wechselwilligkeitsstudie 20261, die XING jährlich in Auftrag gibt, liefert dazu den Beleg: Nur noch 34 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind grundsätzlich bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Das klingt nach einer abstrakten Statistik. Für Personalvermittler ist es eine Beschreibung ihres Alltags.
Der Markt ist nicht eingebrochen – er hat sich neu sortiert
Es lohnt sich, tiefer in die Zahlen zu blicken: Acht Prozent der Beschäftigten planen einen Wechsel in diesem Jahr. 26 Prozent sind grundsätzlich offen, unternehmen aber nichts Konkretes. Und 64 Prozent wollen schlicht bleiben, wo sie sind.
Das bedeutet: Der klassische „passiv erreichbare Kandidat“ – lange der Kern jeder Sourcing-Strategie – ist seltener geworden. Die Gruppe derer, die grundsätzlich offen sind, aber nicht aktiv suchen, ist kleiner. Und gerade diese Gruppe war in den vergangenen Jahren oft der entscheidende Hebel für erfolgreiche Besetzungen.
Die sinkende Wechselbereitschaft ist dabei weniger Ausdruck emotionaler Bindung als Ergebnis bewusster Vorsicht. Die Studie selbst bringt es gut auf den Punkt: „zufrieden, aber nicht euphorisch“. Wer heute angesprochen wird, ist also nicht unzufrieden. Er ist vorsichtig. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Was Kandidat:innen heute wirklich bewegt
Wer vorsichtig ist, liest Sourcing-Nachrichten anders. Knapp 70 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen eine langfristig gesicherte Anstellung bei der Jobsuche wichtig ist – das...